Das grosse Schweigen in der Mehrzweckhalle
Es ist ein Bild, das wir 2026 leider immer öfter sehen: Die Gemeindeversammlung ist gut besucht, der Weisswein ist schon kaltgestellt, aber wenn der abtretende Gemeindepräsident fragt: «Wer stellt sich zur Verfügung?», herrscht betretenes Schweigen. Alle schauen auf ihre Schuhe, jemand hustet verlegen. Niemand hebt die Hand.
Das Schweizer Milizsystem, unser ganzer Stolz, hat Atemnot. Während wir uns früher vielleicht noch darüber gestritten haben, ob nun die FDP oder die Mitte den Gemeindepräsidenten stellt, sind viele Dörfer heute froh, wenn sie überhaupt jemanden finden, der den Job macht. Die Vakanzen häufen sich, und das nicht nur in den abgelegenen Bergtälern, sondern mitten im Mittelland.
Vom Ehrendienst zum Himmelfahrtskommando
Früher war der Posten im Gemeinderat das Ticket zu gesellschaftlichem Ansehen. Wer im Dorf etwas auf sich hielt, regierte mit. Heute? Heute winken die meisten ab. «Zu viel Aufwand, zu wenig Ertrag und am Ende bist du der Depp der Nation», so fasst es ein abtretender Ratsschreiber aus dem Kanton Aargau zusammen, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will.
Die Gründe sind vielfältig:
- Komplexität: Baugesuche, Zonenplanrevisionen, Sozialhilfefälle – die Dossiers sind dick und juristisch heikel. Als Laie blickt da kaum noch einer durch.
- Zeitaufwand: Ein 20-Prozent-Pensum steht auf dem Papier, real sind es oft 40 Prozent. Neben dem Hauptjob kaum zu stemmen.
- Social Media: Wer früher am Stammtisch kritisiert wurde, wird heute auf Facebook oder Telegram öffentlich zerlegt. Die Hemmschwelle für Anfeindungen ist gesunken.
Genau hier liegt die Ironie: Während im echten Leben niemand die Verantwortung übernehmen will, stürzen sich online Tausende darauf, ganze Regionen zu verwalten. Du denkst, du würdest den Job besser machen als die aktuellen Politiker? Dann beweise es bei DSWDSGKK.ch. In diesem Schweizer Strategiespiel kannst du nicht nur eine Gemeinde übernehmen, sondern gleich die ganze Karte erobern, wirtschaften und taktieren – ganz ohne dass dich jemand wegen einer neuen Strassenlampe anpöbelt.
Hotspots 2026: Hier brennt die Hütte
Werfen wir einen Blick auf die Landkarte. Wo ist die Not am grössten? Traditionell haben kleine Gemeinden im Kanton Graubünden, im Tessin und im Wallis Mühe. Aber 2026 trifft es vermehrt auch Gemeinden in den Kantonen Bern, Solothurn und Luzern.
Der «Sorgenkanton» Graubünden
In Graubünden ist die Personaldecke in den Talschaften dünn. Wenn in einer 300-Seelen-Gemeinde drei Gemeinderäte zurücktreten, müssen fast 10 Prozent der wählbaren Bevölkerung mobilisiert werden, um die Lücken zu füllen. Fusionen haben die Situation teils entschärft, aber auch in den grossen Fusionsgemeinden wie Surses oder im Safiental ist die Suche nach Köpfen ein Dauerthema. Die Distanzen sind riesig, die Sitzungsgelder oft eher ein Taschengeld.
Aargauer Gemeinden im Stress
Auch im Aargau, dem Land der vielen kleinen Gemeinden, knirscht es. Hier wehren sich viele Dörfer noch standhaft gegen Fusionen, merken aber, dass sie die Ämter nicht mehr besetzen können. In mehreren Gemeinden mussten dieses Jahr Findungskommissionen eingesetzt werden, die quasi «Klinken putzen» gingen, um Kandidaten zu überreden.
Die nukleare Option: Der Amtszwang
Was passiert eigentlich, wenn sich wirklich niemand findet? Dann greift in einigen Kantonen ein Mechanismus, der fast schon mittelalterlich anmutet, aber hochaktuell ist: der Amtszwang. Ja, du hast richtig gelesen. In Kantonen wie Uri, Appenzell Innerrhoden oder in gewissen Fällen auch Zürich und Bern, kannst du theoretisch zur Annahme der Wahl gezwungen werden.
Das Szenario sieht so aus: Die Gemeindeversammlung wählt jemanden, der gar nicht auf der Liste stand (eine sogenannte «wilde Wahl»). Wenn diese Person die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt (wohnhaft in der Gemeinde, stimmberechtigt, keine Unvereinbarkeitsgründe wie Verwandtschaft mit anderen Räten), muss sie das Amt annehmen. Ablehnen geht nur mit triftigen Gründen – etwa Alter (über 65), Krankheit oder wenn man das Amt schon einmal innehatte.
Stell dir vor, du kommst abends nach Hause und findest einen Brief im Briefkasten: «Herzlichen Glückwunsch, Sie sind jetzt für vier Jahre Finanzvorstand.» Kein Witz. Zwar versuchen Gemeinden alles, um diesen Zwang zu vermeiden – denn wer will schon einen unmotivierten Kollegen am Sitzungstisch haben? – aber das Damoklesschwert hängt über vielen Dörfern.
Zwangsverwaltung: Wenn der Kanton übernimmt
Findet sich auch mit Zwang niemand oder tritt ein ganzer Gemeinderat geschlossen zurück (wie auch schon geschehen nach Streitigkeiten), kommt der Kanton ins Spiel. Er setzt einen Sachwalter oder einen Kurator ein. Das ist dann quasi das Ende der lokalen Demokratie.
Ein externer Profi verwaltet die Gemeinde, entscheidet über das Budget und die laufenden Geschäfte. Die Bürger können zwar noch an der Urne abstimmen, aber die strategische Führung kommt von aussen. Das kostet die Gemeinde meistens richtig viel Geld, denn diese Sanierer arbeiten nicht für Gotteslohn wie der lokale Malermeister, der das Amt nebenbei macht.
Warum tut sich das niemand mehr an?
Wir haben mit Politikberatern und Betroffenen gesprochen. Der Tenor ist klar: Das Verhältnis von Verantwortung zu Entschädigung stimmt nicht mehr. In einer kleinen Gemeinde erhält ein Gemeinderat vielleicht 2000 bis 5000 Franken pro Jahr. Dafür opfert er unzählige Abende, muss sich in komplexe Raumplanungsgesetze einlesen und steht am Samstagmorgen beim Einkaufen Rede und Antwort, warum die Hecke beim Schulhaus noch nicht geschnitten wurde.
Dazu kommt die Angst vor Haftung. Wenn beim Bau eines Spielplatzes etwas schiefgeht oder Gelder falsch verbucht werden, steht man als Gemeinderat plötzlich mit einem Bein im Kriminal. Das Risiko will für ein paar tausend Franken niemand mehr tragen.
Lust auf Macht ohne Risiko?
Es ist schon paradox: Im echten Leben laufen uns die Leute davon, aber virtuell ist das Interesse an Schweizer Gemeinden riesig. Was wäre, wenn du deine Wunschgemeinde einfach kaufen könntest? Bei DSWDSGKK.ch geht das – ab CHF 5.
Dort musst du dich nicht mit Einsprachen gegen Mobilfunkantennen herumschlagen. Stattdessen baust du deine Verteidigung aus, sammelst Skill-Punkte und lieferst dir Duelle mit anderen Spielern um die Vorherrschaft im Kanton. Es ist die perfekte Alternative für alle, die strategisch denken, aber keine Lust auf endlose Ratssitzungen haben.
Lösungsansätze: Fusion oder Professionalisierung?
Zurück zur Realität. Wie löst die Schweiz das Problem bis 2030? Es zeichnen sich zwei Trends ab:
- Fusionitis: Kleine Gemeinden schliessen sich zusammen. Aus fünf Dörfern wird eine Verwaltungseinheit. Das spart Personal, hat aber den Nachteil, dass die Identität verloren geht. Der «Dorfgeist» leidet, wenn das Gemeindehaus plötzlich drei Dörfer weiter steht.
- Geschäftsführermodell: Immer mehr Gemeinden trennen die operative Arbeit von der strategischen. Ein professioneller Geschäftsführer (angestellt, guter Lohn) leitet die Verwaltung, der Gemeinderat entscheidet nur noch über die grossen Linien und tagt seltener. Das macht das Amt wieder attraktiver für Berufstätige.
Quereinsteiger gesucht
Einige Gemeinden gehen kreative Wege. Sie inserieren auf Job-Portalen, machen Info-Abende mit Apéro riche oder schreiben die Stellen in der Dorfzeitung fast schon flehend aus. Auch «Job-Sharing» im Gemeindepräsidium wird diskutiert, ist aber rechtlich oft noch schwierig umzusetzen.
Fakt ist: Wenn wir unser Milizsystem retten wollen, müssen wir die Ämter attraktiver machen. Oder wir müssen akzeptieren, dass die Zeit der Laien-Politik vorbei ist. Bis dahin bleibt in vielen Sälen erst mal das grosse Schweigen, wenn die Frage aller Fragen gestellt wird: «Wer macht's?»