Der ewige Grabenkampf am Gartenzaun
Hand aufs Herz: Wir alle kennen es. Da ist dieser eine Nachbar, der am Sonntagmorgen den Rasenmäher anwirft, oder diese eine Nachbargemeinde, die immer denkt, sie sei etwas Besseres, nur weil sie einen neuen Kreisel mit Kunstinstallation hat. Der lokale Patriotismus in der Schweiz ist stark, und der «Kantönligeist» ist nicht nur ein Klischee, sondern gelebte Realität. Aber was machst du, wenn das Augen rollen am Stammtisch nicht mehr reicht?
Du kaufst ihren Laden einfach auf. Zumindest digital.
Es gibt da ein Projekt im Netz, das genau in diese Kerbe schlägt. Es heisst – halt dich fest – DSWDSGKK. Das steht für «Das Spiel Wo Du Schweizer Gemeinden Kaufen Kannst». Klingt sperrig? Vielleicht. Aber es ist wahrscheinlich das befriedigendste Ventil für alle, die ihre lokale Dominanz endlich einmal schwarz auf weiss (oder pixelbunt) beweisen wollen.
Was ist dieses DSWDSGKK eigentlich?
Auf den ersten Blick wirkt es wie eines dieser klassischen Browsergames, die wir vielleicht noch aus den 2000ern kennen, aber technisch und inhaltlich hat es deutlich mehr Fleisch am Knochen. Es ist eine wilde Mischung aus Aufbaustrategie, Rollenspiel (RPG) und Wirtschaftssimulation – und das alles auf einer echten Karte der Schweiz mit allen 2'121 real existierenden Gemeinden.
Das Prinzip ist simpel, aber genial perfide: Du startest nicht in einer Fantasiewelt, sondern hier. In Olten, in Zürich, in Hinterfultigen. Wo immer du willst (und es dir leisten kannst). Dein Ziel? Kaufen, ausbauen, verteidigen und expandieren.
Vom Gemeinderat zum Grossgrundbesitzer
Der Einstieg ist direkt. Um mitzuspielen, musst du mindestens eine Gemeinde besitzen. Der Startpreis liegt für jede Gemeinde pauschal bei 5 CHF. Das ist die Eintrittshürde. Dafür gehört dir dann aber auch ein Stück digitale Schweiz. Kein Abo, kein versteckter «Energieriegel», den du aufladen musst, um weiterzuklicken. Du hast dein Dorf.
Aber Besitz allein macht noch keinen Herrscher. Sobald du deine Gemeinde hast, geht das Spiel erst richtig los. Hier greifen die RPG-Elemente, die das Ganze von einem reinen «Map-Painter» abheben:
- Gebäude-System: Du knallst Gebäude in deine Gemeinde, um sie wirtschaftlich und militärisch zu stärken.
- Level-Up: Du sammelst XP und Skillpunkte. Ja, dein Bürgermeister-Ich levelt auf.
- Looten & Leveln: Es gibt Millionen von Items. Von «Gewöhnlich» bis «Mythisch» kannst du Ausrüstung finden, die deine Werte verbessert. Das triggert genau diesen Sammeltrieb, den wir aus Diablo oder WoW kennen, nur eben im Schweizer Kontext.
Kampf der Kulturen: Bünzli vs. Siebesiech
Jetzt kommen wir zum Herzstück, das dieses Spiel so charmant macht: Der Humor. Ein Strategiespiel kann schnell trocken werden, aber DSWDSGKK nimmt sich selbst und die Schweizer Eigenheiten herrlich auf die Schippe.
Wenn du dich entscheidest, deinen Nachbarn anzugreifen (PvP) oder dich in Feldzügen (einem Tower Defense Minigame) zu beweisen, nutzt du dafür keine Feuerbälle oder Drachen. Nein, du nutzt Skillkarten, die so schweizerisch sind, dass man fast Aromat riecht.
Es gibt insgesamt 90 freischaltbare Skillkarten. Darunter finden sich Perlen wie:
- Der Bünzli: Wahrscheinlich eine Karte, die den Gegner mit Paragraphen lähmt oder die Moral durch penible Einhaltung der Ruhezeiten senkt.
- Kantönligeist: Ideal, um Zwietracht zu säen.
- Cervelat-Prominenz: Ein Skill für den gesellschaftlichen Aufstieg (oder Absturz).
- Siebesiech: Für die Momente, in denen einfach alles gelingt.
Diese Liebe zum Detail sorgt dafür, dass man auch beim Verlieren schmunzeln muss. Wer kann schon böse sein, wenn er gerade von einer Horde «Cervelat-Promis» überrannt wurde?
Mehr als nur PvP: Kampagnen und Geschichte
Nicht jeder will sich direkt mit echten Spielern anlegen. Vielleicht willst du erst einmal üben oder einfach ein bisschen Geschichte erleben. Dafür bietet das Spiel Kampagnen an.
Titel wie «Der Schatten von Luzern» oder «Auf den Spuren von Wilhelm Tell» lassen erahnen, dass hier historische Fakten mit spielerischer Freiheit gemischt werden. Das gibt dem Ganzen eine schöne Tiefe. Es ist nicht nur «Zahlen hochtreiben», sondern du spielst dich durch Szenarien, die im kulturellen Gedächtnis der Schweiz verankert sind.
Wirtschaft und Marktplatz
Ein Aspekt, der für Langzeitmotivation sorgt, ist der Marktplatz. Da du Items droppen kannst und Gemeinden besitzt, entsteht ein Handel. Spieler können Items und sogar ganze Gemeinden kaufen und verkaufen. Das bringt eine dynamische Komponente ins Spiel. Wenn du eine Gemeinde strategisch gut ausgebaut hast, steigt ihr Wert. Vielleicht kaufst du das Dorf deines Nachbarn also nicht nur aus Rache, sondern als Investment?
Fazit: Das perfekte Ventil
DSWDSGKK ist sicher nicht für jeden. Wer Highend-3D-Grafik erwartet, ist hier falsch. Aber wer Strategie liebt, RPG-Fortschritt mag und vor allem den Schweizer Humor feiert, wird hier glücklich.
Es ist dieses Gefühl, endlich die Kontrolle über die Nachbarschaft zu haben. Wenn dich der Nachbar also das nächste Mal nervt: Lächle freundlich, geh rein, fahr den Computer hoch und schick ihm virtuell den «Bünzli» vorbei. Das entspannt ungemein.
Bist du bereit, deine Gemeinde zu verteidigen oder die Weltherrschaft (oder zumindest die Kantonsherrschaft) an dich zu reissen?